Milben auf Hühnern schonend bekämpfen

Zuerst den Befall erkennen

Wenn Ektoparasiten sich gerade mit den höheren Temperaturen im Frühjahr rasend schnell mehren, fällt selbst einem kurzsichtigen Hühnerhalter der Befall ins Auge. Soweit soll es möglichst nicht kommen, da mit weniger Ektoparasiten eine Bekämpfung einfacher ausfällt. Außerdem sollen die Hühner nicht unnötig belastet werden. Deswegen sollte der Hühnerhalter regelmäßig die Problemstellen im Hühnerstall prüfen. Das sind Ecken, Ritzen oder versteckte Stellen am Boden der Legenester, unter sowie an den Sitzstangen und überall dort, wo die Hühner sich gerne aufhalten. Leben die Ektoparasiten nicht auf den Hühnern, überdauern sie hier den Tag und suchen die Hühner in der Nacht heim.

Da nicht allein Milben, sondern auch andere Ektoparasiten sehr klein sind und man nicht gut in die möglichst nicht vorhandenen Ritzen schauen kann, ist ein Entdecken der kleinen Parasiten nicht ganz einfach. Rote oder braune Punkte auf den Eiern können Milben sein, die zerquetscht wurden. Wer die Wände immer weiß kalkt, der sieht die Parasiten ebenfalls schneller. Der einfachste und sicherste Trick ist jedoch, die Nachtdunkelheit zu nutzen. Nun werden die Ektoparasiten, die nicht auf den Hühnern leben, zu diesen wandern. Mit einer Taschenlampe können die Problemstellen ausgeleuchtet und die weiß gekalkten Wände geprüft werden. Bei einem merklichen Milbenbefall wird einem dieser direkt auffallen. (Weitere Tipps: Milben im Hühnerstall erkennen)

Andere Ektoparasiten, die direkt auf den Hühnern leben, finden sich natürlich auch direkt auf diesen. Wenn die Hühner ein ungepflegtes und struppiges Hühnerkleid entwickeln, sich laufend kratzen, unruhiger sind und Leistungseinbußen haben, können auf den Hühnern lebende Ektoparasiten die Ursache sein. Meist sind einzelne Hühner stärker befallen, die einem schneller ins Auge fallen.

 

Artbestimmung

Anschließend wäre zu klären, um welche Parasitenart es sich handelt.

  • Die Rote Vogelmilbe, auch Blutmilbe, wissenschaftlich Dermanyssus gallinae genannt, wird als Spinnentierchen bis 1 mm groß. Nach dem Saugen ist die durchsichtige Milbe rot, später braun. Für jeden Entwicklungsabschnitt saugt sie einmal Blut und kann junge oder geschwächte Hühner bei starkem Befall damit versterben lassen.

  • Flöhe sind vielen auch bei Hunden oder Katzen bekannt. Einige Floharten können auch Hühner als Wirt verwenden. Wie die Rote Vogelmilbe saugen sie auf dem Wirt nur Blut, leben jedoch an anderen Stellen in dessen unmittelbarer Umgebung.

  • Kalkbeine gehen auf die Kalkbeinmilbe „Knemidocoptes mutans“ zurück, welche dem Namen nach meist an den „verkalkten Beinen“ erkannt wird. Die Milben wachsen zwischen den Hautschichten der Beine heran, wodurch sie schwere Entzündungen bis zum Tod der Tiere verursachen können. Sehen die Beine der Hühner weißlich, grau und verkrustet aus, handelt es sich um die Kalkbeinmilbe. Es kann zu richtigen Hornhautwucherungen kommen. Meist sind nicht alle Hühner befallen oder nicht gleich stark befallen, womit eine Bekämpfung zu deren Schutz schnell erfolgen soll.

  • Federmilben lassen sich in den Federbälgen nieder und finden sich in jedem zweiten Wildvogel. Nehmen diese Ektoparasiten überhand, werden sie ihren Wirt merklich belasten. Das Gefieder sieht angefressen aus und kann damit seine Funktionen nicht mehr so gut erfüllen.

  • Es gibt sechs Arten der Federläuse, die auf den Hühnern alle an ihren eigenen Bereichen leben. Sie jucken die Hühner und mindern durch die Beeinträchtigungen auch ihre Leistung.

  • Weiterhin können Zecken oder Wanzen Hühner befallen. Vor allem die Rote Vogelmilbe, aber auch die Kalkbeinmilbe und Federläuse werden zum Problem.

Flöhe oder die Vogelmilbe sind lästig, sollen natürlich bekämpft werden, sind aber meist wie auch Zecken oder die Wanzen nicht direkt eine kritisch störende Plage. Jeder merkliche parasitäre Befall belastet die Hühner dennoch und ist unangenehm. Je weniger Parasiten, umso wohler fühlen sich die Hühner.

 

Bekämpfungsmöglichkeiten der Ektoparasiten – Kieselgur

Gerade die Rote Vogelmilbe und auch Flöhe werden nicht auf dem Wirt, sondern in dessen Umgebung bekämpft. Im Hühnerstall ist die Hygiene und Ritzenvermeidung die eine Hälfte, Kieselgur die andere Hälfte der Bekämpfung. Kieselgur wird aus den Resten von Kieselalgen gewonnen. Es ist ein scharfkantiges Pulver, welches sich in den Gelenken der Ektoparasiten absetzt und diese damit zerstört. Es darf nur in Abwesenheit der Hühner und möglichst mit Atemschutz aufgetragen werden. Selbsterklärend ist, dass es nur auf die bereits gereinigten Stellen aufgetragen wird. Diese können vorab auch mit einem Gasbrenner behandelt werden, wenn wirklich nichts Brennbares im Stall ist. Zur gründlichen Reinigung kann ein Hochdruckreiniger verwendet werden, am besten mit Schmierseife für einen besseren Reinigungseffekt.

Besonders fein gemahlenes Kieselgur kann sogar in Wasser gelöst aufgetragen werden, um tiefer in Ritzen und Poren zu gelangen. Die Mischung 1 zu 10 wird mit etwas Schmierseife sogar noch tiefer in die Ritzen eindringen und nach dem Abtrocknen auch an den Wänden gut anhaften. Meist wird das Kieselgur in eine Pulverflasche gegeben, um es als trockenen Staub aufzutragen. Die Problemzonen sind natürlich gründlicher zu behandeln, es kann aber auch helfen, wenn Wände und große Flächen ein wenig eingepulvert werden. Wegen der Kosten würde man vorbeugend nur die Problemzonen ein wenig einpulvern. Denn wenn ohnehin reine gemacht wird, wäre Kieselgur auch ohne einen erkennbaren Befall zu empfehlen. Dieses tötet sämtliche Ektoparasiten, die sich gerade nicht auf den Hühnern befinden.

Alternativ zum Kieselgur kann Pyrethrum verwendet werden, welches aus Chrysanthemen gewonnen wird. Es ist zu bedenken, dass Pyrethrum ein Kontaktgift ist und nicht jedes Produkt oder jede Konzentration auf den Hühnern angewendet werden darf. Es ist für Vögel und Warmblüter jedoch weit weniger giftig, als für viele Ektoparasiten und bei Bio-Herstellung damit selbst für Bio-Betriebe einsetzbar.

Weiterhin kann jeden Herbst das Laub von Walnussbäumen gesammelt und getrocknet werden, um immer etwas davon mit dem Einstreu im Hühnerstall zu verteilen. Die meisten Ektoparasiten werden durch die ätherischen Öle im Laub vom Walnussbaum ferngehalten. Auch andere Pflanzen mit ätherischen Ölen können im Hühnerstall im Einstreu oder als Büschel unter der Decke positiv wirken.

 

Bekämpfungsmöglichkeiten der Ektoparasiten – auf den Hühnern

Das bereits erwähnte Pyrethrum ist ein für Vögel und Warmblüter nicht unbedenkliches Kontaktgift, welches aus Chrysanthemen gewonnen wird. Der LD50 Wert liegt bei männlichen Ratten bei über zwei Gramm, wobei Insekten und ähnliche Tierchen deutlich empfindlicher reagieren. Damit kann es bei überlegter Anwendung selbst auf den Wirtstieren eingesetzt werden und wird die meisten Ektoparasiten effektiv vernichten. Der Hühnerhalter soll jedoch sehr genau bedenken, ob er wirklich zu diesem Kontaktgift greift, welches Produkt er nimmt und wie er es schonend einsetzt.

Ebenfalls sehr wirksam, aber weniger bedenklich, sind Ballistol oder einige Kokosölderivate. Ballistol ist eigentlich ein Waffenöl, welches zum Teil aus Mineralölen in medizinischer Qualität besteht und wird inzwischen auch als „Ballistol Animal“ angeboten. Es wird unverdünnt, aber sehr sparsam mit wenigen Tropfen auf die Problemzonen aufgetragen.

Aus Kokosöl gewonnene Öle wie die Decansäure oder Laurinsäure wirken ebenfalls als Kriechöl, welches den Federlingen oder anderen Ektoparasiten die Atmungsorgane verschließt und zum Ersticken führt. Decansäure ist mit 30 ml auf 100 ml der Wirkstoff von Verminex. Dieses wird wie Ballistol an den Problemstellen oder gut verteilt für die großflächige Behandlung immer nur Tröpfchenweise, auch unter den Flügeln oder an den Beinen, aufgetragen.

Ebenfalls wirksame Kriechöle sind das Öl vom Neem- oder Niembaum „Azadirachta indica“ sowie vom Teebaum „Melaleuca alternifolia“. Mit diesen kann eine Lösung angesetzt werden, um die Hühner damit einzustreichen oder vorsichtig einzusprühen, auch unter den Flügeln und an den Beinen. Neemöl oder Teebaumöl ersticken ebenfalls die meisten Ektoparasiten. Beide Öle sind im Übermaß jedoch schädlich. Die Lösung soll nicht mehr als ca. 5 Prozent Neemöl oder Teebaumöl enthalten und nicht zu intensiv aufgetragen werden.

Wie bei jeder Anwendung auf den Hühnern: Wer sich unsicher ist, der behandelt erst einmal ein relativ gesundes Huhn mit einer Menge, die er für unbedenklich hält und wartet bis zum nächsten Tag. Dann kann man sich vorsichtig an die restlichen Hühner wagen und bei einem anderen gesunden Huhn versuchshalber etwas mehr anwenden.

Der eigentliche Trick bei der Behandlung der Hühner mit Kriechölen liegt jedoch darin, dass diese bei einem Befall alle paar Tage erneut behandelt werden sowie, dass auf die Hygiene vom ganzen Stall zu achten ist. Es müssen immerhin alle Ektoparasiten entweder erreicht oder ausgehungert werden, damit der nächste Befall nicht vorprogrammiert ist.

Wenn das gewählte Kriechöl sich in lauwarmen Wasser nicht gut löst, kann ein klein wenig Kern- oder Schmierseife helfen. Diese Seifen sind wiederum selber schon gegen die ein oder anderen Parasiten hilfreich, reinigen und tragen die Feuchtigkeit samt der Kriechöle tiefer in das Untergefieder. Es ist jedoch nur ganz wenig der Seife mit eher unter 0,5 Prozent Anteil zu verwenden, es geht nur um die bessere Löslichkeit der Kriechöle im lauwarmen Wasser. Kernseife, Schmierseife oder ähnliche Stoffe wirken hier als Emulgator, womit Öle sich mit Wasser mischen können.

Die Behandlung der Kalkbeine ist ein Thema für sich. Die Kalkbeine besonders betroffener Tiere können eingeweicht werden, um Verkrustungen zu entfernen. Zum Einweichen kann wieder eine lauwarme Wasserlösung mit etwas Kern- oder Schmierseife angesetzt werden. Nun wird eine Lösung mit Kriechöl angesetzt, in das die vorgereinigten Hühnerbeine bis zum Federansatz gebadet werden. Gerade das Balistol-Öl bewährt sich. Bei nicht sichtlich befallenen Hühnern kann natürlich kein Schorf von den Hühnerbeinen entfernt werden, dennoch sollen auch diese mit dem Kriechöl behandelt werden. Eine Behandlung würde eigentlich genügen, zur Sicherheit soll sie dennoch nach ein paar Tagen wiederholt werden.

 

Zu guter Letzt

Wer auf die Hygiene achtet und regelmäßig seine Hühner oder eben den Hühnerstall auf Ektoparasiten kontrolliert, hat seltenere und schwächere Parasitenprobleme, die sich umso schneller und schonender beheben lassen. Vorbeugende Maßnahmen gegen Hühnermilben zahlen sich deswegen aus. Allein das Vorhandensein von einem trockenen Sandbad hilft den Hühnern, die Ausbreitung der auf ihnen lebenden Ektoparasiten zu vereiteln.

 

Robert Brungert